Mai 2021

Antependien für die Stiepeler Dorfkirche in Bochum

Im Jahr 2019 entstanden die Antependien für den Altar der Evangelischen Kirche in Bochum Stiepel.

Die Paramente bestehen aus je zwei Bändern, die kreuzförmig über die Altarplatte gelegt werden und an allen 4 Seiten des Altars einen Überhang haben. Auf jedem Überhang ist eines der Evangelistensymbole zu sehen. Mit einer eher geringen Größe der einzelnen Überhänge von ca. 40cm x 40cm gleichen die Antependien einem Farbtupfer im Kirchenraum. Die bildhafte Darstellung der Evangelistensymbole: Adler, Stier, Löwe und Engel entspricht einem fotografischen Schattenriss. Die Gestaltung der Antependien konzentriert sich damit auf 2 Farben. Ein Fließtext aus einem sich fortlaufend wiederholenden Satz, bildet die Grundlage. 
Der Text wird mit Hilfe der computergesteuerten Maschinenstickerei auf den Untergrund aus Dupionseide gestickt und der Wechsel des Stickgarnes erzeugt das „Bild“ auf den Antependien.

Beim Betreten des Kirchenraumes erkennt man die Farbe der Paramente und den Schattenriss der Symbole. Beim näheren Betrachten ist dann der Text lesbar. Die Antependien tragen in allen 4 Kirchenjahresfarben die gleiche Symbolik, unterscheiden sich aber nicht nur durch ihre Farbigkeit sondern auch durch den Inhalt der einzelnen Sätze, die den Fließtext ergeben. Die sich gegenüberliegenden Überhänge der Antependien können getauscht werden, so sind Varianten innerhalb einer Kirchenjahreszeit möglich.

Zink+Gensichen GbR, Wachsmuthstr. 3, 04229 Leipzig
Telefon: 0341-4926890, Fax: 0341-4926890
Email: elektropost@zink-gensichen.de
Internet: www.textilgestaltung.de

Antependien für die Evangelische Kirche Bochum Stiepel 2019,
computergesteuerte Maschinenstickerei auf Dupionseide
Fotograf: Sebastian Bergner – Halle (Saale)

April 2021

Erläuterung zu den weißen Paramenten
St. Annen-Kirche in Berlin-Dahlem

Weiß ist die Farbe der Vollkommenheit, der Erleuchtung, des Lichtes. Im Kirchenjahr ist Weiß die Farbe für die Christusfeste, die Zeiten eines Neuanfanges. Weiße Paramente schmücken Weihnachten, Epiphanias, Ostern, Himmelfahrt und am Ewigkeitssonntag Altar, Kanzel und Lesepult. Die weißen Paramente sind auf die Gegebenheiten des Kirchenraumes abgestimmt: Der Vielfalt der bereits vorhandenen Gestaltungselemente wird auf dem Parament bewusst eine zurückhaltende, flächige Farbkombination entgegengesetzt. Gestalterisch sind die architektonischen Bogenformen und die Bewegung des gekreuzigten Christus vom Altarbild aufgenommen und künstlerisch im Parament umgesetzt. 

Parament und Altarbild verschmelzen auf diese Art und Weise miteinander zu einer Gesamtheit. Außerdem vermittelt das Parament zwischen Historie und Moderne: Es schlägt eine Brücke zur expressiv wirkenden Heiliger-Kreuzigungsplastik. In heller Tonwertigkeit mit warmen hellgelb-bis ocker-tönen, über grautonwerten bis hin zu dezenten, blauen Akzenten präsentiert sich die Arbeit, um die Zuordnung zu dem Backstein-Altar und farbiger Fassung der Kanzel zu gewährleisten. Gearbeitet wurde mit Wolle, Leinen und Baumwolle in der Gobleintechnik.

Werkstatt für Paramente und Textilkunst
Annett Hildebrand, Lauensteiner Straße 13a, 01277 Dresden
Tel. 0351-3148821 – E-mail: paramente-dresden@gmx.de –  www.paramente-dresden.de

März 2021

Violette Paramente für St. Laurentius Neuendettelsau:
Technik: Flachweberei in Leinen mit eingewebten Edelstahl- und Filzquadraten.

Bei dieser innovativen Webtechnik entstehen durch die Anordnung der Kett- und Schussfäden Taschen, in die insgesamt 1.318 kleine Filzquadrate und 267 Edelstahlquadrate eingewebt wurden.
Hauptaltar „Vierzehn Stationen“  –  Mensa-Altar „Lichtweg“  –  Lesepult „Kluge und Törrichte“
Kanzel „Dornenkrone“

Einweihung: 2. Advent 2018, Entwurf: Beate Baberske, Fotos: Uwe Niklas, Lukas Herbert

Geschichte zu der Entstehung

Gottesdienst-Infos und Kurztext

mehr Infos zu der Webtechnik und über laufende Projekte findet man auf
Instagram und Facebook

Liturgische Farbe: Violett

Ob Farben „Charakter“ haben, darüber ließe sich streiten. Mit Bedeutung aufgeladen sind sie seit Jahrhunderten. In der Kirche des Abendlandes gibt es seit dem 12. Jahrhundert einen Farbkanon, der für jeden Sonn- und Feiertag eine bestimmte Farbe festlegt. Dieser „Farbwechsel“ ist in Textilien, die im Gottesdienst verwendet werden, sichtbar. Liturgische Kleidung wie Messgewänder und Stolen, aber auch Altar- und Kanzelbehänge und weitere Textilien zeigen die liturgischen Farben. Je nach Konfession und Region gibt es kleine Unterschiede, welche Textilien farbig gestaltet sind und wann welche Farbe zum Einsatz kommt. Violett gilt als Farbe der Sammlung und Besinnung. In der Fastenzeit vor Ostern und in der Adventszeit, in der Evangelischen Kirche auch am Buß- und Bettag und in der katholischen Kirche zu Allerseelen, hält Violett Einzug in den Kirchenraum. Als Alternative zu Schwarz drückt Violett auch bei Beerdigungen Trauer und Besinnung aus. In der Mitte der Buß- und Fastenzeit kann wird je nach Region und Konfession auch Rosa, als aufgehelltes Violett gezeigt werden. Traditionell am 3. Adventssonntag (dem Sonntag Gaudete) oder am 4. Fastensonntag (dem Sonntag Laetare).

Februar 2021

MARIE-LUISE FREY

CHORGEWAND(T)

Mit ihrer textilen Intervention bezieht sich die Künstlerin auf die Raumausstattung
der Universitätskirche, die auf Karl-Bernhard Ritter und die Berneuchener Bewegung
zurückgeht. Auf deren sakrale Architektur- und Symbolsprache reagiert
die Künstlerin mit silbrig schimmernden Stoffbahnen, die vom Lettner aus in den
Kirchenraum hinunterfließen. Sie verbinden visuell den monumental aufragenden
metallischen Orgelprospekt mit dem tief darunter liegenden Kirchenschiff.
Während der Liturgie umkleidet den Altar ein transparentes Gold-Gazegewebe.
Der Gottesdienst wird von Thomas Erne und Studierenden aus seinem Homiletik
Seminar mit einer szenischen Lesung eines Textes von Marie-Luise Kaschnitz über
Adam und Eva und das Paradies gestaltet.
Gottesdienst: 25. Januar 2015
Konzept und Installation: Marie-Luise Frey
Predigt und Liturgie: Prof. Dr. Thomas Erne
Musik: Gerold Vorrath (Orgel), Katharina Scholl (Gesang)
und René Thun (Gitarre)
Fotos und Bildrechte: Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart

DIE KUNST IST DAS STÜCK PARADIES, DAS UNS DIE ENGEL ÜBER DIE MAUER WERFEN – HIER IST ES DIE KUNST VON MARIE-LUISE FREY.

Thomas Erne

 

LITURGY SPECIFIC ART
Wie verändert sich Kunst, wenn sie in einer Kirche angeschaut wird? Wandelt sich auch der Kirchenraum, wenn er zum Ort einer künstlerischen Performance wird? Wird eine Kirche zeitweise nicht nur zum Ort für Gegenwartskunst sondern auch zu ihrem Material, entsteht eine Verbindung, die wir Liturgy Specific Art (LSA) nennen. LSA lädt Künstler*in, Liturg*in, Gäste und Gemeinde zum Experiment ein. Sie arbeiten an einer dynamischen Form die den Vollzug betont, das Ereignis, nicht das Ergebnis. LSA greift dabei die Idee ortsspezifischer Kunst (site specific art) auf und erweitert sie um performative Interventionen:
Die Religionsperformance 
des Gottesdienstes verschränkt sich mit künstlerischen Performances. Diese künstlerischen und liturgischen Aktionen werden miteinander entwickelt. Sie beziehen sich in jedem LSA auf neue Weise aufeinander, verlaufen gemeinsam oder nebeneinander, entwickeln Verbindungen, Kontraste oder Spannungen. Die Vorbereitung mit (der Liturgin) Katharina Scholl war ein Miteinander und manchmal auch ein bisschen gegeneinander. Es war ein Konkurrieren und gleichzeitig ein aufeinander Aufbauen“, sagt die Künstlerin Dorothea Seror (LSA „Pein“, 2013). Für Künstler*innen bedeutet ein LSA, sich in einem religiös determinierten Raum auf gottesdienstliche Abläufe und ein neues Publikum einzulassen. Dadurch steht ihre Kunst in einem neuen Deutungsrahmen, den sie aufgreifen und transformieren. Die Gottesdienste entwickeln sich anders, lebendig, dynamisch, riskant, wenn Künstler*innen beteiligt sind. Liturgie wird zum offenen Spiel mit den Möglichkeiten der ästhetischen und der religiösen Daseinsweitung, sehr oft beglückend, mitunter aber auch ziemlich irritierend“, sagt dazu der Liturg Thomas Erne (2020).

Aus theologischer Sicht erweitert LSA die Liturgie und den Kirchenraum um sinnliche Elemente, die eine verdichtete und gewandelte Erfahrung von Performanz, Raum und Kunst ermöglichen können. Die frühgotische Marburger Universitätskirche mit ihren expressionistischen Umbauten bietet einen spannungs- und bedeutungsreichen Rahmen, an dem die Gegenwartskunst gemeinsam mit der Liturgie im LSA arbeitet und den Kirchenraum damit stetig in Wandlung versetzt. Der diesjährige Kalender 2021 Liturgy pecific Art – Wandlung einer Kirche zeigt eine Auswahl von LSAProjekten, die das ISnstitut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart mit Künstler*innen in der Marburger Universitätskirche in den letzten zehn Jahren initiiert hat. Zu jedem LSA ist ein dokumentierender Film entstanden. Alle Filme sind auf unserer Website zu sehen: kirchbauinstitut.de/lsa/